Paradies für Angler

Angler am Strand von Puerto Vallarta - Foto: Bernhard Matejka

Angler am Strand von Puerto Vallarta - Foto: Bernhard Matejka

In ganz Mexiko braucht man keine Genehmigung, um an Seen, Flüssen und am und im Meer zu angeln – und sämtliche Ufer und Strände sind „Zona federal“, also in staatlichem und keinesfalls in Privatbesitz und von daher allgemein zugänglich., so dass man überall seine Angel auspacken und sein Anglerglück versuchen kann.

Ob man dabei so erfolgreich ist wie die Einheimischen hängt dabei nicht von der teuersten Angel ab, sondern davon den Fischen den richtigen Köder anzubieten – oft besteht die „Angel“ nur aus der Rolle, auf die die Plastikschnur gewickelt ist. Trotzdem holen die vielen einheimischen Angler auf diese einfache Art oft mehrmals  hintereinander Huachinango (Roter Schnapper), Dorado (Makrelenart), Pargo (Brassenart), Róbalo (Barschart) und andere Fische heraus, die zum Teil jeweils über ein Kilo wiegen – ganz grosses Glück hatte vor nicht allzu langer Zeit ein Angler, der einen Róbalo von 20 Kilo aus dem Wasser ziehen konnte, der den bereits am Köder hängenden kleinen Dorado schnappen wollte!

Diese Speisefische sind sehr wohl schmeckend und deshalb sehr begehrt und werden natürlich mit nach Hause genommen – hängt ein Mantaraya (Stachelrochen) am Haken, dann kann es passieren, dass er wieder in sein Element zurückgeworfen wird – lebendig vesteht sich – oder aber zu Ceviche verarbeitet wird (marinierter Fisch, siehe auch „Mexikanische Gaumenfreuden“ vom 27. Juni 2009).

Manchmal verbeisst sich auch eine Moräne in den Köder, auch die darf dann wieder lebendig zurück ins Meer.

Hat ein Angler sehr viel mehr Glück als seine Freunde und Nachbarn, dann teilt er die Fische auch schon mal auf und behält nur, was seine eigene Familie verzehren kann – er kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass er auch bedacht wird, wenn ein anderer dann mehr Glück hat als er.

Harpunenbesitzer tauchen auch nach Langostinen, Tintenfischen und grossen Kalamaren, die Austerntaucher bieten täglich frische Austern an, die sie an den Unterwasserfelsen finden.

Wer als Tourist das nötige Kleingeld hat, der kann ein Hochseeangelboot chartern und auf das Meer hinausfahren, um dort Segel- und Schwertfische aus dem Meer zu holen, die hier auch als hochwertige Speisefische gelten wie auch der Thunfisch.

Des Anglers Glück - Foto: Bernhard Matejka

Des Anglers Glück - Foto: Bernhard Matejka

Also – wie wäre es mit einem Angelurlaub in Puerto Vallarta? Am besten in einer Ferienwohnung mit Küche, wo sie Ihren Fisch selbst zubereiten können; sollten sie mal nicht so viel Glück haben, dann können sie ja bei den Fischern gegenüber dem Hotel Rosita am Malecón einkaufen oder in einem der kleinen Fischläden, wo sie auch  Garnelen in verschiednen Grössen, Muscheln und Langostinen bekommen – man kann hier in Meeresfrüchten regelrecht schwelgen (vgl. www.redbubble.com/people/8paco8 )!!!! Und das dazu passende frische Gemüse bekommen Sie nicht nur im Supermarkt, sondern  im Marktgebäude östlich der Zona Romantica im Stadtteil Emiliano Zapata in der Nähe der Kirche „Santa Cruz“, das täglich – auch am Sonntag – die Kundschaft mit frischem Obst und Gemüse versorgt – meist zu weit günstigeren Preisen als die Supermärkte!

Tags: , ,

Keine Kommentare

Grossartige Abschiedsgala der Buckelwale

Am letzten Sonntag – also Mitte April – zeigten sich zu der grossen Überraschung und Begeisterung der vielen Feriengäste am Hausstrand von Puerto Vallarta eine Walmutter mit Kind. Normalerweise ziehen die ca. achtzig Buckelwale etwa Mitte März Richtung Alaska ab, um im November wieder in die wärmeren Gefilde zu kommen. (vgl. auch den Blog vom 30. November 2009 „Buckelwale in Puerto Vallarta“).

Foto: Bernhard Matejka

Foto: Bernhard Matejka

Foto: Bernhard Matejka

Foto: Bernhard Matejka

Foto: Bernhard Matejka

Foto: Bernhard Matejka

Meist sieht man nur die Fontäne des Blas und einen Teil des Buckels, hin und wieder springt ein Wal dann auch mal aus dem Wasser, dann tauchen sie oft auch wieder ab. Nicht so am Sonntag! Die Walmutter (korrekt heisst es natürlich Walkuh und Walkalb) schnellte immer und immer wieder komplett oder fast komplett aus dem Wasser, das Kleine versuchte dann, es mit mehr oder weniger grossem Erfolg der Mutter nachzutun. Dann wedelte die Mutter mit der Fluke (Schwanzflosse) und prompt erschien dann auch die Fluke des Nachwuchses (vg. auch www.redbubble.com/people/8paco8 ). Oder sie winkten mit den riesigen Flippern (Flossen), um dann wieder aus dem Wasser zu schnellen. Es war ein grossartiges Schauspiel und das Publikum am Strand klatschte und schrie vor Begeisterung, als die beiden Wale ganz langsam von Süd nach Nord zogen und immer in Strandnähe blieben – man hatte den Eindruck als würde die Walmutter ihrem Nachwuchs diese „Kunststücke“ beibringen und den Beifall geniessen, den das Publikum zollte.

Hier in Mexiko hatten samstags die Osterferien begonnen, so dass auch viele mexikanische Feriengäste mit ihren Kindern in den Genuss dieses Spektakels kamen – ein unvergessliches Erlebnis!

Tags: , , ,

Keine Kommentare

Karfreitag in Mexiko

Es ist nicht jedermanns Sache zuzusehen, wie Menschen leiden, und die meisten Menschen sehen wohl nicht ein, warum sie sich selbst Leid zufügen und sich selbst kasteien sollen. In Mexiko sehen das viele religiöse Menschen etwas anders.

Leidensweg Christi - Iztapalapa

Leidensweg Christi - Iztapalapa

U.a. in Iztapalapa, einem Vorort von Mexiko-Stadt, und in der Silberstadt Taxco wird der Leidensweg Christi in Originalzeit – also von neun Uhr morgens bis zur Kreuzigung um drei Uhr nachmittags – nachgestellt. (Foto: Yavidaxiu unter C.C. )

Es gilt als grosse Ehre, die Rolle Jesu übernehmen zu dürfen und eine echte Dornenkrone und ein schweres Kreuz (90 kg) zu tragen und und immer wieder malträtiert zu werden. Diese Leidensfigur wird in Taxco von einer recht grossen Schar von Männern begleitet, die Kapuzen tragen und auf dem Rücken dicke und schwere Bündel von dornigen Ästen, so dass die Rücken so blutüberströmt sind wie das Gesicht des Christus. Dieser Zug zieht langsam durch die Stadt bis zum traditionellen Kreuzigungsplatz (in Iztapalapa ist dieses Golgatha der Cerro de las Estrellas (Sternenhügel, dort war in vorspanischen Zeiten schon ein indianisches Heiligtum), wo Jesus dann gekreuzigt wird.

In Iztapalapa, wo schon am Palmsonntag das Nachstellen der gesamten Karwoche beginnt, versammeln sich jährlich etwa zwei Millionen Menschen, um den Leidensweg zu sehen. Auch in Taxco drängen sich viele Menschen, ebenso in Patzcuaro/Michoacan.

Die Motive zur Selbstkasteinung sind sehr privater Natur – es kann eine Busse sein, es kann einfache nur tiefe Religiosität sein. Die Tradition des Kreuzwegs kommt aus dem spätmittelalterlichen Europa (in Oberammergau sind die Passionsfestspiele ein noch lebendiges Zeugnis dieser Tradition und auch in Spanien und Italien lebt dieses Brauchtum fort), fiel aber auf fruchtbaren Boden in „Neu-Spanien“ (so hiess Mexiko bis zu den Befreungskriegen zu Beginn des 19. Jahrhunderts), da auch die indianische Religion die Selbstkasteiung kannte und die Menschen den Göttern ihr Blut opferten – die Menschenopfer waren nur eine extreme Steigerung der Vorstellung, dass die Gottheiten das Blut der Menschen verlangten. Zu diesen beiden Wurzeln hinzu kommt die Auffassung, dass Freud und Leid nur die zwei Seiten ein und derselben Medaille sind und abdingbar zusammen gehören (siehe auch Blog „Mexikanische Lebensphilosophe“ vom 3. Juli 2009).

Hier in Puerto Vallarta kann man morgens einen kleinen und zeitlich sehr verkürzten Kreuzzug sehen, der vormittags am Malecón und auch am Hausstrand der Stadt entlang zieht – wo sich dann später eine sehr grosse Schar mexikanischer Touristen ein vergnügliches und fröhliches Strandleben gönnen. Aber natürlich schweigen auch in Mexiko die Glocken bis zur triumphalen Auferstehung am Ostersonntag mit seinen feierlichen und sehr gut besuchten Gottesdiensten (die Gläubigen stehen dabei bis auf die Strasse)  – auch das eine Vorstellung die dem indianischen Glauben an die Wiedergeburt sehr nahe kam.

Tags: , ,

Keine Kommentare

Besuch im Cipactli

Cipactli ist aus der Sprache der Azteken (Nahuatl) entnommen und heisst “Krokodil“ und von denen gibt es in der nähren und weiteren Umgebung Puerto Vallartas sehr viele, und ein paar wenige befinden sich im Cipactli des Centro Universitario de la Costa (CUC), einem Ableger der Universität von Guadalajara bei Ixtapa, einem der Vororte von Puerto Vallarta.

Krokodile gab es früher sehr viele in Mexiko, dann boomte das Geschäft mit Krokodilleder und diese Verwandten der Dinosauriere waren vom Aussterben bedroht – bis man auf die Idee kam, Krokodilfarmen zu errichten.

Kuschelnde Krokodile - Foto: Bernhard Matejka

Kuschelnde Krokodile - Foto: Bernhard Matejka

Das Cipactli ist so was ähnliches, aber die Tiere werden nicht vermarktet, sondern freigesetzt, wenn sie etwa einen Meter gross sind (es sind Flusskrokodile und damit eine der grössten Arten, die bis zu sechs Meter lang werden können, wenn sie ihr Höchstalter von ca. sechzig Jahren erreicht haben – der Wachstumsprozess setzt sich über das ganze Leben fort).

In einem der Mangrovengebiete unmittelbar bei Vallarta leben etwa 150 Exemplare, aber es gibt auch Gebiete, wo die Population sehr gering ist und wo man die Bestände erhöht mit denen, die im Cipactli aufgezogen wurden.

Die Reptilien leben von Fisch, Fleisch oder Geflügel, wobei sie auch in freier Wildbahn nur etwa einmal wöchentlich auf Beutefang gehen. Die Beute wird unzerkaut verschlungen, die äusserst spitzen Zähne, die ständig nachwachsen, dienen nur zum Zubeissen und Festhalten.

Die erwachsenen Exemplare in der Uni sind drei bzw. dreieinhalb Meter gross, das weibliche Krokodil legt etwa dreissig bis fünfunddreissig Eier in eine Mulde, die mit Laub abgedeckt wird und durch Gärprozesse etwa 30º – 34º Wärme entwickelt, bei 30º entwicklen sich weibliche Embryos, bei höheren Temperaturen männliche. Die Eier (etwa 12 cm lang und 8 cm dick) werden von der Mutter gegen Fressfeinde geschützt bis die Jungen schlüpfen, wobei die Brutzeit auch wieder von der Temperatur abhängig ist.

Das Cipactli beherbergt eine ganze Reihe kleiner und kleinster Krodile (vgl. auch https://www.redbubble.com/people/8paco8 ), die unter einer wärmenden Lampe bewegungslos aneinander gekuschelt liegen, abgesondert von den ausgewachsenen Krokodilen, da Krokodilsväter sich auch schon mal am eigenen Nachwuchs gütlich tun…

Krokodil Nachwuchs - Foto: Bernhard Matejka

Krokodil Nachwuchs - Foto: Bernhard Matejka

Die ausgewachsenen Krodile befinden sich meist unter Wasser, nur die Augen und Nasenlöcher gucken heraus – es sei denn sie beschliessen, sich in der Sonne aufzuwärmen. Das grösste Krokodil im Cipactli heisst übrigens Goliath und hört tatsächlich auf seinen sehr passenden Namen, den es erhielt, als es auf der Strasse eingefangen wurde, auf die es sich als bis dahin frei lebendes Exemplar  verirrt hatte…..

So kann es auch passieren, dass man in einem der Golfclubs, der unmittelbar an Mangrovengebiet grenzt, sich plötzlich einem Krokodil gegenüber sieht, das sich zu einem Spaziergang entschlossen hat….

Blindes Krokodil Charly - Foto: Bernhard Matejka

Blindes Krokodil Charly - Foto: Bernhard Matejka

Im Cipactli (es birgt übrigens auch Sumpfschildkröten und Leguane) hat auch ein Krokdil seine Heimat gefunden, das ohne Augen geschlüpft ist und in freier Wildbahn nicht überleben könnte. Den genetischen Defekt führen die Biologen darauf zurück, dass das Ei längere Zeit möglicherweise einer falschen Temperatur ausgesetzt war.

Das Cipactli dient natürlich vor allem auch wissenschaftlichen Untersuchungen und Langzeitbeobachtungen, die sich u.a. in den Arbeiten der Studenten niederschlagen.

Einer von ihnen, Pedro Luis Yebra, hat uns durch die Anlage des Cipactlis geführt und uns die entsprechenden Erläuterungen gegeben, er betreut das Ganze. Ihm sei hiermit ganz herzlich gedankt !

Tags: , , , ,

Keine Kommentare

Die Flieger von El Tajin – oder die Achtung der Natur als Grundgedanke indianischer Kulturen

Wenn Sie über den Malecon schlenern, dann sehen sie mit etwas Glück, wie vier farbenprächtig  gekleidete Männer kopfunter einen hohen Mast umschweben, auf dessen Spitze ein fünfter tanzt und die Flöte bläst.

Das Seil, das am Fussgelenk jedes einzelnen befestigt ist und den Flieger sichert, ist in 25 Meter Höhe so gewickelt, dass die Männer den Mast dreizehn Mal umkreisen, multipliziert mit vier ergibt das die Zahl zweiundfünzig – das geheiligte „Jahresbündel“ des indianischen Kalenders, nach dessen Ablauf quasi ein neues „Jahrhundert“ beginnt – so wie der Mayakalender,  der im Dezember 2012 abläuft, einen tiefen Zeiteinschnitt markiert, vergleichbar etwa dem Milleniumswechsel im Gregorianischen Kalender, nach dem wir die Zeit bestimmen.

Flieger von El Tajin kurz nach dem beginn des Schauspiels - Foto: Bernhard Matejka

Flieger von El Tajin kurz nach dem beginn des Schauspiels - Foto: Bernhard Matejka

Würde man das Schauspiel von oben filmen, so sähe es aus wie eine sich immer weiter öffnende Spirale – und die Spirale ist in den indianischen Kulturen allgegenwärtig, vor allem in der Vorstellung, dass alle Zeit- und Naturprozesse spiralförmig ablaufen: Täglich erleben wir Sonnenauf- und Untergang, jährlich den ewig wiederkehrenden Wechsel der Jahreszeiten, nach zweiundfünzig Jahren ein neuer Zeitabschnitt,  und nach etwa fünftausend Jahren beginnt eine neue  Kalenderrunde (die gegenwärtige begann am 11. August 3114 – vgl. zur genaueren Information Wikipedia, Stichwort Maya-Kalender und den Blog vom 26. Oktober 2010) und damit ein neues Zeitalter – vom einzelnen Tag bis zur Kalenderrunde eine sich immer weiter öffnende Spirale…

Und so ist das mit allem Leben, auch dem menschlichen: Geburt und Tod sind nichts anderes als Momente einer spiralförmigen Bewegung, nach dem Tod und dem Aufenthalt in anderen Sphären beginnt ein neues Leben auf diesem Planeten – so wie man das Maiskorn in der Erde versenkt, damit es nach geraumer Zeit als Maispflanze zu neuem Leben erwacht.

Und belebt  und beseelt sind nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch die Erde und das gesamte Universum und alles befindet sich in einem ständigen spiralförmigen Prozess.

Und da die Erde belebt ist – und alles, was sie hervorbringt, – muss sie und müssen ihre Produkte respektiert und geheiligt werden.

Symbolisiert wird die Erde durch die vier Kardinalpunkte, unter denen wir die Himmelsrichtungen verstehen, ergänzt durch das oben und unten, also quasi sechs Kardinalpunkte, deshalb auch der Tänzer auf der Spitze des Mastes, der aber auch ein ganzes Stück in den Boden verankert sein muss – und unter dem früher ein Tieropfer hinterlegt worden war.

Einer der Flieger bereits in Bodennähe - Foto:  Bernhard Matejka

Flieger von El Tajin im Vogelkostüm - Foto: Bernhard Matejka

Die vier Flieger, die durch ihre Kostüme wie Vögel (Guacamayas/grosse Papageien) wirken, weisen in die vier Himmelsrichtungen, die Tänzer auf der Spitze in die „fünfte“ und damit auch auf die Sonne, das Tieropfer in die Unterwelt, aus der alles Leben hervorgeht – solange die Sonne ihren ewigen Kreislauf beibehält, wobei sie ja auch ständig ihren Auf- und Untergangspunkt ändert (wie auch die Gestirne), was wiederum wichtig ist für Regen- und Trockenzeit und die vier Jahreszeiten.

Die Götter wollen, dass sich die Menschen an allem erfreuen, was ihnen Erde und Natur geben – aber jeder darf der Natur nur so viel entnehmen, wie er wirklich zum Leben braucht,  Unmässigkeit oder willkürliche Zerstörung sind Frevel und eine Beleidigung der Götter, die sich dafür rächen.

Es kommt also darauf an, im Einklang mit der Natur und damit den Göttern zu leben und das rechte Zentrum zu haben – auch das symbolisiert der Mast mit den Fliegern und dem Tänzer, der das Zentrum darstellt.

Es sind heutzutage fast nur noch die Totonaken aus dem Staat Veracruz/Golfküste, die dieses Brauchtum pflegen, es gibt aber mittlerweile in vielen Touristenzentren diese hohen Masten, so auch in Puerto Vallarta direkt am Seepferdchen auf dem Malecón.

Früher waren diese Rituale über ganz Mesoamerika verbreitet und allgemeines indianisches Brauchtum – bis es von den Spaniern verboten wurde.

Damals gab es natürlich keine stählernen Maste, sondern man verwandte bestimmte hochwachsende Bäume. Diese wurden sorgfältig ausgesucht, dann wurde ein Ritual durchgeführt, in dem man dem Baum – er ist schliesslich ein lebendiges und beseeltes Wesen – erklärte, dass er nun zu einem höheren Zweck geopfert werden müsse, was ihm aber zu grosser Ehre gereiche. Ihm wurde dann ein Tieropfer (oft ein Huhn, dem auch erklärt wurde, das es höheren Zwecken geopfert wird) dargebracht, und er wurde sorgfältig gefällt und bearbeitet, um dann an dem gewünschten Ort in den Boden eingelassen zu werden (wo aber auch schon ein Opfer die Basis bildete), um ab sofort den heiligen Ritualen zu dienen, die helfen sollten, die Zentrierung und damit das Gleichgewicht und die gute Beziehung zu den Göttern zu bewahren  – um somit einen Garant zu haben für gute Ernten und damit für das Wohlergehen der Menschen.

Unser blauer Planet wurde u.a. von den Mayas als riesige Schildkröte aufgefasst, auf deren Rücken sich alles Leben abspielt, aber eben als lebendiger Organismus, der – verletzt man ihn – sich zur Wehr setzt und schüttelt– was sich dann als Erdbeben auswirkt.

Wir nüchternen Menschen des 21. Jahrhunderts wissen natürlich, dass Erdbeben durch die Plattentektonik ausgelöst werden – aber offenbar sind wir nicht nüchtern genug, um zu wissen, wo unsere Grenzen sind… Für die indianischen Völker Nordamerikas waren die Gebiete, wo Uran lagert, Tabuzonen, von denen man sich fernhalten musste. Wir wissen um die Gefahren des Uranabbaus – und der -aufbereitung und –verwendung und (End-) Lagerung (vgl. dazu Wikipedia) und glaub(t)en alles beherrschen und uns vor den grossen Gefahren schützen zu können…..

Das Denken – der Natur nur das zu entnehmen, was man wirklich braucht und nur dann in sie einzugreifen, wenn es wirklich notwendig und unbedenklich ist – ist zumindest  in der indianischen Bevölkerung Mexikos immer noch stark verwurzelt. So wiesen mich Kinder aus dem Stamm der Lakandonen in Chiapas auf eine knallgrüne riesige Raupe hin und erklärten mir, dass deren dicker „Pelz“ hochgradig ätzend sei, wenn man mit der Raupe in Berührung käme – und nahmen sie sorgfältig mit einem Blatt auf und setzten sie auf einen Baum, der ein ganzes Stück abseits stand, so dass sie niemandem auf den Körper fallen konnte. Bei sehr vielen Menschen aus unserer Kultur hätte diese gefährliche Raupe wohl sehr schnell ein sehr jähes Ende gefunden…

Vielleicht sollte man darüber nachdenken, was mit dem Wort „macht Euch die Erde untertan“ gemeint war – friedliche und repektvolle Nutzung und Gefahrenabwägung oder habgierige und blinde Ausbeutung und z.T. Ausrottung von Tier und Pflanzenarten und Gefährdung von Menschenleben.

El-Tajin

El-Tajin

El Tajin – berühmt für die Nischenpyramide – war eine grosse ausgedehnte Kultstätte. Der Name bedeutet „Blitz“, die Nischenpyramide steht in einem engen Zusammenhang mit dem Kalender (365 Nischen).

Mehr Bilder von Bernhard Matejka bei www.redbubble.com/people/8paco8

Tags: , , , ,

Keine Kommentare

Die erste Schildkröte der Saison !!!

Nächtlicher Besuch der ersten Meeresschildkröte der Saison.

Nächtlicher Besuch der ersten Meeresschildkröte der Saison. Foto: Bernhard Matejka

kam gestern Abend an den Strand, um dort etwa 120 Eier abzulegen, die von der ökologischen Polizei eingesammelt und in ein gesichertes Gehege gebracht werden – vgl. dazu den Blog vom 20. Juni 2009.

Weitere Bilder von Meeresschildkröten am Strand von Puerto Vallarta bei www.redbubble.com/people/8paco8

Tags: ,

Keine Kommentare

Tourismus in Mexiko

Mexiko ist das lateinamerikanische Land, das von ausländischen Touristen am meisten besucht wird – und von 100 Besuchern würden 97 gerne wieder kommen! Jährlich kommen 22 Millionen  ausländische Touristen, um hier einen Badeurlaub zu verbringen und/oder die unzähligen archäologischen Zonen, kolonial geprägten Städte mit ihren schönen Kathedralen und Kirchen und „pueblos magicos“ (magische Dörfer) zu besuchen. Hinzu kommen 7 Millionen, die mit Kreuzschiffen nach Mexiko kommen – bis 2018 soll die Zahl der ausländischen Gäste verdoppelt werden, wozu die mexikanische Regierung weder Geld nach Mühen scheut, um die Infrastruktur zu verbessern, was wiederum private Investoren motiviert, in der mexikanischen „Industrie ohne Schlote“ (damit ist der Tourismus gemeint, der neben dem Erdöl eine der wichtigsten Industrien im Land ist) aktiv zu werden.

Es wird dann natürlich auch notwendig sein, die Anzahl der Flüge zu erhöhen, so dass erwogen wird, mehr ausländischen Fluggesellschaften Flüge nach Mexiko zu gewähren. Vielleicht kann man dann endlich wieder Direktflüge nach Puerto Vallarta buchen, wie das vor etwa zehn bis fünfzehn Jahren war, als u.a. Condor  mit stets so gut wie ausgebuchten Flugzeugen hier landete. Von daher ist die Einstellung der Flüge nicht nachvollziehbar, zumal sich die deutschen Touristen hier sehr wohl fühlten und von Land und Leuten regelrecht begeistert waren.

Centro de Convenciones in Acapulco

Centro de Convenciones in Acapulco

Zur Zeit findet in Acapulco der Tianguis Turistico International statt, vergleichbar in etwa mit der internationalen Tourismusbörse in Berlin, und es scheint so, als würden immer mehr Länder und Reiseunternehmen die vielfältigen Attraktionen Mexikos zu würdigen wissen und sie ihren Kunden anbieten zu wollen – eine bedeutsame Entwickung für ein Schwellenland.

Dabei wird auch immer mehr Wert gelegt auf ökologische Gesichtspunkte – und davon ist gerade in Puerto Vallarta besonders betroffen, denn hier bilden Meer, Berge und Urwald die Kulisse zu Erkundungen der tropischen Fauna und Flora (vielleicht sehen Sie sich ja einmal die Fotos auf  www.redbubble.com/people/8paco8  an).

Hinzu kommt, dass die meisten Menschen der Region von Puerto Vallarta sehr freundliche und liebenswerte Gastgeber sind (Puerto Vallarta wurde von einem us-amerikanischen Tourismusmagazin als der weltweit freundlichste Ort ausgezeichnet)  und man sich hier ziemlich schnell heimisch fühlt und in dem freundlichen Ambiente und dem angenehmen Klima die vielfältigen Produkte der fruchtbaren und wasserreichen Umgebung und des Meeres geniessen kann.

Haben Sie keine Lust, es einmal auszutesten? Sie werden nicht enttäuscht sein – ganz egal, ob es Sie in das romantisch-kolonial geprägte Alt-Vallarta oder in eine der z.T. recht mondänen modernen Hotelzonen zieht!

Vielleicht überlegen Sie sich ja dann, ihren Lebensabend hier zu verbringen – denn auch hier liegt Puerto Vallarta – glaubt man dem us-amerikanischen Magazin für Rentner -  weltweit an der Spitze als idealer Ort für Ruheständler!

Tags: , , ,

1 Kommentar

Elizabeth Taylor und Richard Burton in Puerto Vallarta

Hier in Puerto Vallarta liegt seit dem Tod von Elizabeth Taylor ein Kondolenzbuch im Rathaus aus, am Seepferdchen, dem wohl wichtigsten Wahrzeichen Vallartas hat man eine “ofrenda”, eine Art Altar mit ihrem Bild aufgebaut, denn sie und Richard Burton und John Houston haben Puerto Vallarta zu dem gemacht, was es heute ist: Ein ganz bedeutsames Reiseziel des internationalen Tourismus.
Elizabeth Taylor und Richard Burton  haben im März 1964 hier in der Kirche der Virgen de Guadalupe geheiratet – Elizabeth begleitete Richard, die sich während der Filmaufnahmen zu „Cleopatra“ hoffnungslos in einander verliebt hatten, in das damals so gut wie unbekannte Fischerstädtchen, weil John Houstan hier „Die Nacht des Leguans“ (nach dem Roman von Tennesee Williams) verfilmte (u.a. mit Ava Gardner und Deborah Kerr).
Beide kauften sich hier Häuser (das von Elizabeth heisst Casa Kimberley), die durch eine sehr romantisch wirkende kleine Brücke miteinander verbunden sind, so dass sie nicht die Strasse überqueren mussten, und verbachten sehr viel Zeit hier.
Ihre Affäre und die Hochzeit waren damals natürlich  in aller Munde – sie waren damals schliesslich das berühmteste Liebespaar – und lockten den internationalen Jetset und die Presse hierher – so wurde das kleine Städtchen, das nur per Schiff und Flugzeug erreichbar war, quasi über Nacht berühmt!
Sie pflegten ihre Abende häufig in einer Bar am Malecón zu verbringen, die heute aber nicht mehr existiert, und waren quasi Teil des öffentlichen Lebens – und sie sind den Bewohnern des Städtchens in bester Erinnerung geblieben!
Leider wurde das Haus von Elizabeth Taylor abgerissen, an seiner Stelle soll ein grösseres errichtet werden, aber zur Zeit herrscht Baustopp, weil Vorschriften nicht eingehalten wurden, nun will die Stadt mit dem privaten Besitzer in Verhandlungen treten, damit das Andenken an die berühmte Schauspielerin gewahrt wird. Immerhin existiert aber noch die rosa Brücke zum Anwesen von Richard Burton (mit dem sie ja gleich zweimal verheiratet war, immerhin währte die in Puerto Vallarta geschlossene erste Ehe zehn Jahre).
Vielleicht kommt es ja daher, dass sehr viel Paare vor allem aus den USA mit Familie und Freunden nach Puerto Vallarta kommen, um sich hier (möglichst am Strand) trauen zu lassen….
Elizabeth Taylor - Eternamente Agradecidos

Elizabeth Taylor - Eternamente Agradecidos

Elizabeth Taylor und Richard Burton

Elizabeth Taylor und Richard Burton

Elizabeth Taylor - Kondolenzbuch im Rathaus

Elizabeth Taylor - Kondolenzbuch im Rathaus

(Photos: Bernhard Matejka – mehr Puerto Vallarta Photos unter www.redbubble.com/people/8paco8 )

Hier in Puerto Vallarta liegt seit dem Tod von Elizabeth Taylor ein Kondolenzbuch im Rathaus aus, am Seepferdchen, dem wohl wichtigsten Wahrzeichen Vallartas hat man eine “ofrenda”, eine Art Altar mit ihrem Bild aufgebaut, denn sie und Richard Burton und John Houston haben Puerto Vallarta zu dem gemacht, was es heute ist: Ein ganz bedeutsames Reiseziel des internationalen Tourismus.

Elizabeth Taylor und Richard Burton  haben im März 1964 hier in der Kirche der Virgen de Guadalupe geheiratet – Elizabeth begleitete Richard, die sich während der Filmaufnahmen zu „Cleopatra“ hoffnungslos in einander verliebt hatten, in das damals so gut wie unbekannte Fischerstädtchen, weil John Houstan hier „Die Nacht des Leguans“ (nach dem Roman von Tennesee Williams) verfilmte (u.a. mit Ava Gardner und Deborah Kerr).

Beide kauften sich hier Häuser (das von Elizabeth heisst Casa Kimberley), die durch eine sehr romantisch wirkende kleine Brücke miteinander verbunden sind, so dass sie nicht die Strasse überqueren mussten, und verbachten sehr viel Zeit hier.

Ihre Affäre und die Hochzeit waren damals natürlich  in aller Munde – sie waren damals schliesslich das berühmteste Liebespaar – und lockten den internationalen Jetset und die Presse hierher – so wurde das kleine Städtchen, das nur per Schiff und Flugzeug erreichbar war, quasi über Nacht berühmt!

Sie pflegten ihre Abende häufig in einer Bar am Malecón zu verbringen, die heute aber nicht mehr existiert, und waren quasi Teil des öffentlichen Lebens – und sie sind den Bewohnern des Städtchens in bester Erinnerung geblieben!

Leider wurde das Haus von Elizabeth Taylor abgerissen, an seiner Stelle soll ein grösseres errichtet werden, aber zur Zeit herrscht Baustopp, weil Vorschriften nicht eingehalten wurden, nun will die Stadt mit dem privaten Besitzer in Verhandlungen treten, damit das Andenken an die berühmte Schauspielerin gewahrt wird. Immerhin existiert aber noch die rosa Brücke zum Anwesen von Richard Burton (mit dem sie ja gleich zweimal verheiratet war, immerhin währte die in Puerto Vallarta geschlossene erste Ehe zehn Jahre).

Vielleicht kommt es ja daher, dass sehr viel Paare vor allem aus den USA mit Familie und Freunden nach Puerto Vallarta kommen, um sich hier (möglichst am Strand) trauen zu lassen….

Keine Kommentare

Laguna Verde

heisst das einzige Atomkraftwerk Mexikos. Es befindet sich sechzig Kilometer nordwestlich von der Stadt Veracruz im Bundesstaat Veracruz am Golf von Mexiko. Es wurde in den 80er trotz vieler Proteste gebaut und der erste Reaktor ging 1989 ans Netz, der zweite 1995. Die Golfregion gilt als erdbebensicher – trotzdem hat es vor einiger Zeit auch dort leicht gebebt, von Schäden im Atomkraftwerk wurde nichts bekannt.

AKW Laguna Verde im Bundesstaat Veracruz (Autor:pronuclear.mx wikimedia, Lizenz: CC)

AKW Laguna Verde im Bundesstaat Veracruz (Autor:pronuclear.mx wikimedia, Lizenz: CC)

Etwa 75 Prozent seiner Energie bezieht Mexiko aus staatlichen und privatwirtschaftlichen Wärmekraftwerken (vorwiegend Erdöl), knapp 20 Prozent aus Wasserkraftwerken, die grössten befinden sich weitgehend in abgelegenen und nur dünn besiedelten Gebieten, und auch das aus der Zuckerproduktion gewonnene Abfallprodukt Melasse dient der Energiegewinnung und geothermische Anlagen, wobei 97 Prozent der Haushalte an das staatliche Stromnetz angeschlossen sind.

Nach den Plänen der mexikanischen Regierung sollen bis 2015 Solarenergie und Windkraft etwa 15 Gigawatt des knapp 60 Gigawatt hohen Jahresverbrauchs decken, von weiteren Atomkraftwerken ist keine Rede, wohl allein schon deshalb nicht, weil es in vielen Teilen Mexiko immer wieder Erbeben gibt und das Risiko eines schweren Unfalls viel zu gross wäre – und was das heissen kann wird ja gerade in Japan deutlich.

Die Mexikaner sind sehr betroffen, von dem, was dort geschehen ist – viele haben noch das Erdbeben vom September 1985 in schlimmster Erinnerung, das auf der Richterskala 8,1 erreichte und ganze Stadtteile der Hauptstadt in Schutt gelegt und tausende von Opfern gefordert hat.

Die Erdbebenhäufigkeit in Mexiko ist auf das Aufeinanderprallen der Cocosplatte und der mexikanischen Festlandplatte zurückzuführen – so hat es 24 Stunden nach dem fürchterlichen Erdbeben in Japan an der Pazifikfüste Mexikos 27 mal gebebt, aber es waren glücklicherweise recht schwache Beben (3,1 bis 5,6), die man nicht oder kaum wahrnimmt.

Die Beben treten vor allem an den Küsten der südlicheren

Die Krone des Kirchturms in Puerto Vallarta

Die Krone des Kirchturms in Puerto Vallarta (Photo: Bernhard Matejka)

Bundessaaten Guerrero, Oaxaca und Chiapas auf, aber auch hier in Puerto Vallarta (Bundesstatt Jalisco) hat es 1995 so stark gebebt, dass die Krone des Kirchturms der Kirche im Zentrum der Stadt herabfiel!

Von dem angesagten Tsunami war hier nichts zu spüren – in erster Linie wohl deshalb, weil die Bahía de Banderas im Norden und Süden durch ins offene Meer ragende Halbinseln geschützt wird. Trotzdem trafen viele Vorsichtsmassnahmen, die Boote, die normalerweise immer am Pier direkt am Hausstrand von Vallarta liegen, waren in den geschützten Hafen gebracht worden, einige Restaurants hatten darauf verzichtet, ihre Strandmöbel an den Dtrand zu stellen und der Zivilschutz achtete darauf, dass niemand ein Bad im Meer nahm.

Diese geschützte Lage und die hohen Berge im Süden der Bucht, die bis ans Meer heranreichen, haben in Puerto Vallarta auch dazu beigetragen, dass der Monsterwirbelsturm Kenna (mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 360 Stundenkilometern und extrem hohen und langen Wellen) Ende Oktober 2002 zwar den Malecón und einige Gebäude im Zentrum von Alt Vallarta z.T. schwer beschädigt, aber kein Menschenleben gekostet hat. Die Gärten einiger Hotelanlagen rund um die Bucht waren mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft gezogen worden, die Wellen spülten Sand in Swimmingpools, und es kostete viel Zeit und Geld und Mühen, die Schäden zu beheben, aber die Vallartenser gehen davon aus, der der nächste Wirbelsturm sie erst wieder in vier, fünf Jahrzehneten heimsuchen wird – denn so lange hatte auch Kenna auf sich warten lassen….

Soweit zur Situation hier in dem mexikanischen Tropenparadies – das hoffentlich keiner Katastrophe ausgesetzt ist. Und in der grossen Hoffnung, dass in Japan – und nicht nur dort – die ganz grosse Katastrophe ausbleibt.

Fotos zu Puerto Vallarta: www.redbubble.com/people/8paco8

Keine Kommentare

WM in Puerto Vallarta – Deutschland rächt Mexiko

Ein kleiner Stimmungsbericht

Deutschland geniesst bei vielen Mexikanern ein recht hohes Ansehen – und das ist im Rahmen der Weltmeisterschaft eher noch gewachsen, denn die Mexikaner sind mindestens so Fussball versessen wie die meisten Deutschen. Vor dem Spiel Deutschland gegen England war vom „Kampf der Titanen“ die Rede, danach von der „maquina teutona“ (teutonische Maschine – das klingt schon weniger schmeichelhaft, aber die Mexikaner schätzen die Präzision und Zuverlässigkeit der deutschen Technologie ebenso hoch ein wie das deutsche Organisationstalent und das reibungslose Funktionieren in vielen Bereichen).

Und dann verlor Mexiko gegen Argentinien – da flossen nicht nur bei weiblichen Zuschauern die Tränen…. Fast machten wir uns darauf gefasst, dass nun Staatstrauer angeordnet werden müsste, aber so weit ging es nun doch nicht.

Die Mexikaner setzten ganz einfach ihre Hoffnung auf Deutschland, das gegen Argentinien spielen würde, um 9 Uhr am Samstagmorgen (die Zeitdifferenz zu Deutschland beträgt sieben Stunden).
Schätzungsweise sass halb Mexiko z.T. in schwarz-rot-goldenen Trikots vor den Fernsehgeräten, um das Spiel zu verfolgen, inständig hoffend, dass die Deutschen die Argentinier besiegen und damit Mexiko rächen würden – so sahen das jedenfalls etwa 90 Prozent der Mexikaner.

Und so ertönten dann auch gleich nach dem ersten Tor Chöre, die jubelnd „Alemania, Alemania“ riefen. Und so genoss man regelrecht, dass den Argentiniern das Abseitstor diesmal nicht anerkannt wurde – es war die Rache für das, was Mexiko knapp eine Woche vorher widerfahren war, als der Schiedsrichter das Abseitstor gelten liess. Und dann ertönten bei jedem weiteren Tor Jubelrufe, als hätte die mexikanische Mannschaft die Tore geschossen.

Und nun geniessen viele aus ganzem Herzen, das das deutsche Team so hoch gewonnen den WM-Favoriten Argentinien damit nach Hause geschickt hat.

Und nun hoffen wohl die meisten auf einen deutschen Sieg gegen Spanien – man hat hier zu dem ehemaligen Mutterland ein etwas gespaltenes Verhältnis, da man vor zweihundert Jahren (1810 – 1820) einen zehnjährigen Krieg führen musste, damit aus „Nueva España“ Mexiko werden konnte, was Spanien erst 1824 anerkannte (siehe auch „Gründe zu feiern“).

Auf jeden Fall hoffen nun alle auf die nächste WM, in der dann vielleicht auch den Mexikanern solche Spiele gelingen wie den Deutschen gegen England und Argentinien!

Tags: , , ,

Keine Kommentare